Gnadenhof Pusia – Polen – Juli 2011
Im Juni berichteten Uta Ludwig und Eva Pleis über den Hilferuf des „Gnadenhofes Pusia“ in der Nähe von Danzig/Polen sowie ihre Reise!
Einen Besuch im „Tierpflegenest“ in Reitwein nutzte ich, um mich zusammen mit Uta Ludwig auf den Weg zum „Gnadenhof Pusia“ zu machen. Wir hatten den Kofferraum des PKW sowie unseren neuen Vereinsanhänger – der übrigens seine „Feuerprobe“ bei der Ukraine-Reise prima bestanden hat – mit ca. 600 kg Trockenfutter beladen.
Nach einer 6-stündigen Fahrt über gut ausgebaute Straßen erreichten wir den Gnadenhof. Die Strecke ist landschaftlich sehr schön, führt immer wieder durch große Waldgebiete und an vielen Seen vorbei. An den Straßenrändern werden schon die ersten Pfifferlinge verkauft.
Uta und ich wurden herzlich begrüßt. Uta war ja schon bekannt; ich hatte das Gefühl, dass man sich sehr freute, dass Uta schon so bald wiedergekommen ist.
Natürlich wuselten schon die ersten Hunde um uns herum, verspielt, einige zurückhaltend, andere kamen ihrer Aufgabe nach, uns zunächst einmal kräftig zu bebellen!
Wir luden gleich noch die Spenden aus! Ich war danach doch etwas geschafft. Ich hatte an diesem Tage bereits 580 km Fahrt zum Tierpflegenest und 350 km Fahrt zum Gnadenhof hinter mir.
Beim Abendessen unterhielten wir uns schon ein bisschen; die Mutter von Staszek dolmetschte freundlicherweise wieder.
Ich fiel ziemlich geschafft ins Bett – eine „Fellnase“ gesellte sich zu mir!
Ich hatte darum gebeten, mir am anderen Tag alles genau anschauen zu dürfen. Ich wollte mir selbst einen Eindruck verschaffen, was gemacht wird, wie man mit den Hunden umgeht und wo man helfen kann. Dies wurde mir auch ohne irgendwelche Probleme gewährt.
Mein erster Eindruck bestätigte sich am nächsten Tag. Der Hof macht einen sehr guten Eindruck, die Gebäude sind durchweg in gutem bis sehr gutem Zustand. Die Hunde sind in einem gepflegten und gut genährten Zustand.
Alle Hunde sind – wenn sie denn nicht frei auf dem Hof oder in einem großen Gehege laufen – in großzügigen, sauberen Gehegen untergebracht, „Kettenhunde“ gibt es überhaupt nicht. Die Gehege werden täglich gereinigt und mit Stroh ausgelegt.
Überhaupt – viele der derzeit über 80 Hunde sind sehr menschenbezogen, verspielt, neugierig! Staszek und seine Lebensgefährtin Sandra lieben ihre Hunde; sie gehen ruhig und fürsorglich mit ihnen um.
Wöchentlich werden – leider – weitere Hunde einfach entsorgt. Aktuell wurde ein wunderschöner Dalmatiner mit der Begründung abgegeben, man habe jetzt ein Baby und der Hund müsse weg! Dies, nachdem der Hund bereits 6 Jahre in der Familie lebte. Neu angekommene Hunde werden zunächst aus Quarantänegründen isoliert gehalten.
Die Unterstützung der „Hundehilfe-Ukraine“ soll unter anderem darin bestehen, bei der Vermittlung von Hunden zu helfen und für solche, die auf dem Gnadenhof bleiben sollen, um Pflegschaften zu werben. Uta und ich fotografierten daher den ganzen Morgen Hunde, machten kurze Beschreibungen. Schon bald wird die „Hundehilfe-Ukraine“ auf ihrer Homepage die ersten Hunde vorstellen und versuchen, für sie Menschen zu finden.
Man merkt aber auch, dass der Gnadenhof mit großen finanziellen Problemen zu kämpfen hat. Ich will hier nicht alle Punkte aufzählen – dies werden wir noch gesondert auf unserer Homepage machen. Einige Dinge will ich jedoch besonders erwähnen:
- der tägliche Kampf ums Futter – 80 Hunde verbrauchen halt eine Menge…
-
die kaputte Tiefwasserpumpe – Uta berichtete bereits darüber. Im Moment muss Trinkwasser mühsam in Kanistern herbeigeschafft werden. Hier hat die Hundehilfe-Ukraine die Reparaturkosten in Höhe von 500,00€ übernommen. Entsprechende Belege werden wir selbstverständlich erhalten.
-
Es gibt im Moment keinen PKW oder Transporter. Der letzte Transporter hat mit massiven technischen Problemen seinen „Geist“ aufgegeben. Die Reparaturkosten sind viel zu hoch und – wie ich mich selbst überzeugen konnte – lohnen auch nicht mehr. Der letzte Transport von vermittelten Hunden nach Deutschland musste bereits mit einem geliehenen PKW durchgeführt werden.
-
die Heizungsanlage ist defekt – hier haben sich zwei Umwälzpumpen „verabschiedet“ – der nächste Winter ist schneller da als man denkt. Und natürlich die Brennstofffrage – die Anlage wird mit Kohle befeuert. Benötigt werden für 5 Monate Heizzeit ca. 20 Tonnen Kohle.
-
Kastrationen – diese müssen aus finanziellen Gründen oft zunächst aufgeschoben werden. Aktuelle medizinische Notfälle haben Vorrang. Für einen Notfall hat die Hundehilfe-Ukraine spontan 150,00€ übergeben. Auch hier hat man uns ohne Aufforderung zugesagt, die Ausgaben zu belegen.
-
Der weitere Ausbau des „Gnadenhofes“. Zur Anerkennung als Tierheim muss unter anderem ein medizinischer Raum geschaffen werden – hierzu würde sich zum Beispiel die Küche im Untergeschoss eignen.
Es steht eine große, trockene Halle mit der Möglichkeit, Außengehege zu bauen, direkt am Hof zur Verfügung.
Viel wurde bereits versprochen; wenig bis gar nichts eingehalten. Ich kann daher auch verstehen, wenn die Menschen auf dem Gnadenhof uns zunächst zurückhaltend betrachtet haben und dies wohl auch noch tun. Sie sagten uns auch offen, dass schon einige da gewesen wären und sich nie wieder haben blicken lassen.
Ich will dies weder kommentieren und noch beurteilen!
Am Nachmittag – gut gestärkt durch das Mittagessen – mussten wir uns verabschieden – wieder lagen einige Stunden Fahrt vor uns. Wir wurden sehr, sehr herzlich verabschiedet. Wir haben versprochen, wiederzukommen!
Die Hundehilfe-Ukraine möchte hier gerne unterstützen. Natürlich können wir keine Wunder vollbringen und auch nicht alle Dinge alleine „stemmen“. Wir versprechen auch nichts, was wir nicht halten können.
Und – ohne unsere Freunde, Unterstützer und Sponsoren können wir nichts bewegen. Wir werden daher in naher Zukunft themenbezogen auf unserer Homepage um Unterstützung bitten!
Norbert de Jong/Juli 2011
Für den Gnadenhof Pusia bitten wir um Ihre Hilfe, bitte schauen Sie unter dem folgenden Link:









