Ein Tag im Tierheim

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Mein Name ist Elena. Ich bin 27 Jahre alt und studiere in Braunschweig. Ursprünglich komme ich aus der Ukraine, Chmelnitskyi. Bis meinen 14ten Lebensjahr habe ich in der Ukraine gelebt und bin hier aufgewachsen. Als kleines Kind habe ich schon Tiere geliebt und immer versucht von der Straße zu retten. Es war für mich sehr schwierig mit dem Gedanken, dass man leider nicht jedem Tier helfen kann, aufzuwachsen. Mein Traum war es ein Tierheim zu gründen und versuchen ein liebevolles Zuhause für diese Tiere zu finden.

 

Heute lebe ich in Deutschland und versuche überall zu helfen, wo ich nur kann. Vor kurzem war ich in meiner Heimat und habe dort zusammen mit einer guten Freundin von mir das Tierheim besucht. Einige Sachen habe ich aus Deutschland mitgebracht (alte Decken, Handtücher, Spielzeug und Futter). Andere haben wir in der Stadt mit Nathalie gekauft. Wir sind zu dem Bazar gefahren und dort alles Mögliche (Fleisch, Knochen, Buchweizen usw.) eingekauft. Viele haben sogar Rabatte gemacht, nachdem sie gehört haben, dass es für ein Tierheim ist. Einige meinten wir sollen lieber den Kindern als den „Parasiten“ helfen. Sogar der Taxifahrer hat bei uns Nachlass gemacht und meinte er wird auch vorbeikommen und alte Decken vorbeibringen. Das hat uns sehr gefreut, dass es doch noch so viele gute Menschen auf dieser Welt gibt.

 

Als wir dort ankamen, war ich sehr aufgeregt. Ich wusste nicht was mich erwarten wird. Meine Freundin Nathalie meinte zu mir, ich soll mich emotional vorbereiten, weil es dort ca. 200 Hunde gibt, die wie kleine Kinder dich mit den großen Augen anschauen und hoffen, dass die mit nach Hause genommen werden. Und nun standen wir da, mit den großen Tüten vor dem Eingang. Viele neugierige Hunde haben schon vor dem Tor geschnüffelt. Nathalie war hier schon öfter mal. Sie hat ihren Gehalt von ca. 100 Euro im Monat und versucht auch so wie sie kann zu helfen. Sie kam schon mal zum Putzen vorbei und bringt ab und zu Futter und Pampers dahin. Sie hat mich schon gewarnt, dass ich keine Angst haben soll, denn auf mich kamen um die 20 Hunde verschiedener Größen zu.

Die haben sich so gefreut, dass jemand da ist. Der eine hat an meinem Fuß geleckt, der andere an meiner Hand, der andere hat an meinem Schal gezogen… Die haben alle versucht auf sich die Aufmerksamkeit zu ziehen. Ich war sehr überrascht, dass die Hunde so zutraulich und freundlich gegenüber zu anderen Hunden und Menschen waren. Außerdem war ich sehr positiv überrascht, wie sauber und gut ernährt die Hunde waren. Ich habe schon von vielen ukrainischen Tierheimen in den Nachrichten gehört und habe eigentlich mit dem Schlimmsten gerechnet, aber hier war alles ganz anders! Die Hunde sahen glücklich aus. Die waren nicht eingeschüchtert, sie hatten ihren Freiraum! Das hat mich sehr gefreut und beruhigt.

Es sind ca. 200 Hunde in dem Tierheim, die auf jede Hilfe angewiesen sind. Leider werden die Tierheime in Ukraine kaum von der Regierung unterstützt. Mit 3 Säcken Futter im Monat kommt man nicht weit bei der Menge an Tieren. Und es werden fast jeden Tag wieder neue dazu gebracht. Arme Seelen die entweder ausgesetzt oder absichtlich angefahren worden sind… Es ist einfach nur schrecklich was täglich mit den obdachlosen Tieren da draußen passiert.

 

Dort habe ich über alles vergessen. Alleine diese Blicke voller Hoffnung und Traurigkeit haben mein Herz bluten lassen. Wenn ich die Möglichkeit hätte, hätte ich die alle mit zu mir genommen. Ich habe aber schon 2 Katzen und einen Hund, die ich auch aus dem Ausland adoptiert habe, genauso wie meine Eltern. Nathalie hat auch einen Hund und Katze von der Organisation „Save the life“ („Dobro“). 

 

Vor Ort haben uns 2 Frauen erwartet. Eine davon war ständig bei den Hunden und hat sie mit dem Trinken versorgt und die Volieren sauber gemacht.

In einem Raum waren Hunde, die leider nicht mehr laufen können. Für die haben wir Pampers mitgebracht. Ich hoffe, dass auch diese Hunde eine Chance auf ein neues Leben bekommen. Beim Spielen mit den Hunden haben wir gesehen, dass jeder Hund seine eigene Geschichte hat. Der eine hatte viele Narben im Gesicht, der andere kein Ohr oder Schwanz, dem anderen wurde die Pfote amputiert…

 

Später haben wir uns noch mit Valja unterhalten. Sie hat uns viel über die Hunde erzählt und gezeigt wo die das Essen für die Tiere zubereiten und Produkte lagern. Als wir auf Bazar waren, hat ein Mann uns beschimpft und meinte wir unterstützen falsche Leute, die von unseren Spenden nur profitieren wollen und die Tiere seien denen egal. Nach meinem Besuch in diesem Tierheim habe ich verstanden, dass sowas nur die Menschen sagen, die nie in ihrem Leben geholfen haben und nur eine Ausrede suchen, um nicht zu helfen! Als er zu mir meinte ich soll lieber den Kindern helfen, habe ich ihn gefragt, ob er schon einem Kind geholfen hat, da hat er nur geschwiegen.

 

An diesem Tag haben wir mit Nathalie ca. 30 Euro ausgegeben. Es hat mir so viel Freude zubereitet behilflich zu sein und einfach nur zu wissen, dass dieses Geld einfach angekommen ist. Man kann schon mit wenig so viel bezwecken.

 

Es war für uns schwer den Abschied zu nehmen. Wir mussten leider wieder zurück. Die Hunde haben uns bis zu dem Ausgang begleitet, was sehr traurig und herzzerreißend war, denn sie wussten nicht, dass wir jetzt gehen. Valja hat uns verabschiedet und ist zurück an ihre Arbeit gekehrt.

Auf dem Weg nach Hause haben wir mit Nathalie nur geschwiegen. In Gedanken waren wir immer noch in dem Tierheim bei unseren Hunden.

Erst wo ich Zuhause war und mir die Bilder angeguckt habe, musste ich richtig weinen.

Bald kommt Winter und ich hoffe, dass die Hunde nicht draußen frieren müssen. Vielleicht kann dieser Bericht wenigstens einen Hund retten, da wäre ich schon sehr dankbar.

 

Fazit:

  • Sehr liebevolles und freundliches Team
  • Gepflegte und gut ernährte Hunde
  • Gute Organisation und Koordination
  • Man ist immer willkommen. Man muss nicht unbedingt was spenden, einfach vorbeikommen und mit Hunden Zeit verbringen
  • Mit wenig kann man auch schon viel erreichen

 

Ich werde weiterhin das Tierheim in Chmelnitskyi unterstützen, wie ich kann. Jedes Mal, wenn ich in die Ukraine fahren werde, fahre ich dorthin um die Hunde zu sehen, was zu spenden und einfach mal „Danke!“ an das Team zu sagen.